Berührung

„Berührung ist eine der meistvergessenen Sprachen“ - das sagte Osho.
Leben ist Berührung, von Anfang an. Daß wir Berührung empfinden können ist uns angeboren. Wir können stumm, taub oder blind zur Welt kommen, aber den Tastsinn bringen wir immer mit. Und den können wir auch niemals verlieren.
Wir erleben das schon beim neugeborenen Kind: es kann kaum sehen, es kann etwas hören... aber der Tastsinn ist sehr stark ausgeprägt und für ein Baby lebensnotwendig.
Es gibt Untersuchungen darüber, wie oft ein Mensch wann an welcher Stelle berührt wird. Beim Baby ist es „normalerweise“ der ganze Körper und oft. Mit zunehmendem Alter nehmen Berührungen ab. Bei Kindern beschränken sich Streicheleinheiten dann vor allem auf Kopf, Hände und Arme, und je älter ein Kind wird, umso weniger wird es berührt. In der Pubertät ändert sich das im besten Falle dann wieder, wenn die Jugendlichen die Sexualität entdecken.
Mit zunehmendem Alter werden Berührungen immer seltener. Ich kenne Frauen, die seit 25 Jahren Witwe sind und außer beim Friseur und beim Händedruck nicht mehr berührt werden.
Das sagte mir eine knapp 80jährige Frau, als sie bei mir zur Lomi war. Und hinterher sagte sie mit Tränen in den Augen, daß es ihr schon lange nicht mehr „so gut gegangen“ sei.

Ich finde es extrem bedauerlich, daß auch Bekannte und Freunde von mir der Ansicht sind, „meine“ Massage sei so etwas wie eine sexuelle Dienstleistung. Die Lomi berührt Menschen, die berührt werden wollen. Wenn ich eine Lomi gebe berührt es auch mich. Mich berührt, daß ein Mensch sich in eine Massage hinein begibt, daß er (oder sie natürlich) vielleicht den Mut hat, sich und seine Bedürfnisse anzusehen, ernst zu nehmen. Dass für die Dauer einer Massage liebevolle Achtsamkeit gegeben und angenommen werden kann. Dass es selbstverständlich keine übergriffigen Berührungen gibt. Dass der Mensch, der sich „in meine Hände begibt“, entspannen und loslassen kann.

Vielleicht gehört für manche Menschen Mut dazu, sich in eine solche Massage zu begeben, die keine reine Wohlfühlmassage ist. Die Lomi ist Körperarbeit. Nicht, weil Gelenke und Muskulatur schmerzhaft bearbeitet werden. Sondern weil man zum Nachdenken kommt, weil man sich eventuell klar darüber wird, dass Veränderungen anstehen und notwendig sind. Und weil das dann eben schon so etwas wie „Arbeit“ ist, der man sich stellen muss. Oder eben auch nicht – dann ist es eine Wohlfühlmassage.