Januar 2015

Wie allgemein bekannt sein dürfte mache ich seit nun dreieinhalb Jahren die Lomi nebenberuflich. Hauptberuflich arbeite ich beim Förderverein für krebskranke Kinder (www.krebskranke-kinder-tuebingen.de). Der hat ein Elternhaus in Tübingen, in Kliniknähe, wo Eltern krebskranker Kinder während der Therapie leben. Der Aufenthalt kann ein oder zwei Tage sein, ein paar Wochen, er kann auch ein oder zwei Jahre dauern....

Mit einer Kollegin teile ich mir die Arbeit als Hausleiterin. Wir sind für die Organisation der Zimmervermittlung zuständig, wir sind für "den Haushalt an sich" zuständig, und wir sind Ansprechpartner für die Eltern. Immer mal wieder nehmen wir Spenden entgegen, zeigen den Spendern das Haus und berichten von der Arbeit des Fördervereins und vom Alltag im Elternhaus.

Heute hatte ich eine junge Frau zu Gast, die eine Tombola durchgeführt und damit Geld gesammelt hat. Sie hatte nicht nur die Idee, etwas "für krebskranke Kinder" und den Förderverein zu tun, sie hat auch noch selbst Geld dazu gelegt. Wir hatten eine gute Stunde zusammen im Besprechungsraum, sie hat gefragt, ich habe berichtet.
"Wie halten Sie das aus?" fragte sie. Das fragen viele Menschen, die ins Elternhaus kommen und von den Sorgen der hier lebenden Eltern erfahren, und denen wir auch sagen, wie es sich (für uns) anfühlt, wenn Eltern mit ihrem sterbenskranken oder toten Kind heimfahren müssen.

Wie halte ich das aus?
Dazu fällt mir immer wieder eine Begebenheit ein, die ich als 16jährige erlebt habe. Wir hatten im Dorf einen neuen Pfarrer, Mitte 30, ledig. Und wie das damals auf dem Dorf so war.... ich glaube, er hatte es nicht leicht. Während eines Gottesdienstes fing er an zu weinen und geriet ziemlich außer sich. Danach war er einige Zeit in der Klinik.
Damals dachte ich, daß es wohl eine arge Gratwanderung sein muss für einen Menschen, der beruflich für andere Menschen da sein muss. Egal ob Pfarrer, Arzt, Psychologe... der mit den Sorgen und innersten Nöten von Menschen konfrontiert ist und von dem Hilfe erwartet wird.
Ich dachte: entweder er bleibt weich, durchlässig, verletzlich, dann kann es aber sein, daß er selber daran zugrunde geht.
Oder aber er schottet sich ab, dann aber ist er keine Stütze und keine Hilfe mehr für Hilfesuchende. Denn wenn ich dicht mache, geht nichts mehr herein. Aber auch nichts mehr hinaus.
Das habe ich dieser jungen Frau heute gesagt.

Und eben lese ich ein Interview mit Hannelore Kraft, die sagt "verletzlich bleiben ist wichtig, um mitfühlen zu können".
Genau das ist es! Sie kann das, was ich denke und fühle, einfach besser sagen!