September 2014

Der 10. Vipassanakurs

Erst bei der Registrierung in Triebel habe ich bemerkt: 2004 war ich das erste Mal überhaupt bei der Vipassana-Meditation, und auch im September.
2005 besuchte ich den zweiten Kurs, auch in Triebel, und danach Kurse in Belgien. Das war von meinem damaligen Wohnort aus näher gelegen. Und nun, nach 10 Jahren, wieder im Vogtland.
Es hat sich viel verändert.
Ich frage mich überhaupt, wieso ich einen zweiten Kurs gesessen habe, wo ich doch im ersten so schrecklich über alles mögliche rebelliert habe. Innerlich. Auch im zweiten Kurs habe ich das, also wieso dann weitere?

Das Zentrum in Triebel wird ausgebaut. Bisher konnten ca. 100 Schüler an einem Kurs teilnehmen, in Zukunft sollen es 150 sein. Deshalb entsteht zur Zeit eine neue, große Meditationshalle, und irgendwann (wenn genug Spenden eingegangen sind), werden neue Unterkünfte gebaut.
Zu meiner großen Freude steht schon ein neues Unterkunftshaus mit Einzelzimmern, wovon ich eines bekommen habe. Welch ein Komfort!!! „Normal“ ist die Unterbringung in 2-, 3- oder 4-Bett-Zimmern.

Das Zentrum Triebel liegt wunderschön auf einem Hügel mit Blick über die Wälder des Vogtlandes, sehr abgeschieden, sehr ruhig. „Fuchs und Has“ sagen sich hier wirklich gute Nacht. Kein Durchgangsverkehr, ab und zu hört man einen Traktor – und momentan Lärm von der Baustelle der Meditationshalle. „Eigentlich“ Urlaub, wenn auch recht anstrengend. Sollte man nicht meinen, wo man den ganzen Tag eigentlich bloß sitzt. Nur ist das kein Lümmeln mit Buch oder Musik oder sonstigen Ablenkungen. Es ist Konzentration und Aufmerksamkeit. Sitzen in einer Halle mit etwa 100 anderen – wer Interesse hat kann das auf der Vipassanaseite nachlesen. (http://www.dvara.dhamma.org/index.php?L=1)

Viel geht mir in diesen 10 Tagen durch den Kopf. Privates, geschäftliches.
Mir fällt mal wieder auf, mit wie viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung einem hier begegnet wird, ganz ohne Worte. Die Lehrer arbeiten ohne Bezahlung, die Helfer (ohne die so ein Kurs gar nicht abgehalten werden könnte) ebenso, und täglich steht wunderbares Essen auf dem Tisch.

Während einer Stunde fällt mir ein Beitrag von Götz Werner ein, den er über Wertschätzung geschrieben hat: wie ist es möglich, daß ein T-Shirt für 10 Euro zu haben ist. Wie paßt es, daß ein Kilo Kaffee 8 Euro kosten kann? Wie kann das fair sein für die Arbeiter? Wie wird deren Arbeit wertgeschätzt? Immerhin ist es ihre Lebenszeit, die sie mit ihrer Arbeit verbringen, und wo bleibt die Wertschätzung dafür?
Wertschätzung, ein Fremdwort in den meisten oberen Chefetagen. Wie ist es sonst möglich, daß hier 1000 und dort 4000 Menschen entlassen, „wegrationalisiert“ werden? Wie ist es sonst zu verstehen, wenn Kleinunternehmer oder Mittelständler mit Preisdiktaten geknebelt werden? Unternehmer, die Verantwortung tragen für ihre Mitarbeiter und diese auch wahrnehmen wollen.
Kann man diesen in den oberen und obersten Etagen zeigen, wie sich keine Wertschätzung anfühlt? Ich fürchte, keiner dieser Herren muss das fühlen. Vipassana bietet auch Kurse für Führungskräfte an. Die, für die so ein Kurs nötig wäre, sind sicher nicht dabei. Schade.

Ich für mich finde es gut, einmal für 10 Tage zu merken, daß ich mit sehr wenig Komfort – und Einzelzimmer ist schon SEHR GROSSER KOMFORT! - auskommen kann. Daß zwei Mahlzeiten am Tag reichen. Daß ich keine Unterhaltung und keine entsprechenden Unterhaltungsmedien oder Kommunikationsmittel brauche. Daß ich mich an einschränkende Regeln halten muss und kann. Sicher, für 10 Tage geht alles. Freiwillig.

Ich würde niemals jemand sagen, „du musst einen solchen Kurs machen“. Ich würde aber auch niemand davon abraten.