Juli 2013

Ich weiß nicht, warum mich in den letzten Wochen immer ähnliche Themen „anspringen“. Immer haben sie mit Krisen, sich annehmen, sich verzeihen, loslassen und Tod zu tun. Ich frage mich dann, warum mir diese Buch- oder Zeitungstitel so ins Auge springen. Ist es mein Thema? Hab ich was übersehen in meinem Leben? Kommt was auf mich zu?

Ray Charles soll gesagt haben „Lebe jeden Tag so, als wäre es dein letzter. Irgend einer wird es dann sein“.

Ja, und diese Leichtigkeit und Sicherheit wünsche ich nicht nur mir.

Schmerzhafte Krisen gehören zum Leben. Ein Zusammenbruch entpuppt sich im Nachhinein als Chance. Aber im Gespräch mit einer Kollegin höre ich dann „... das merk ich immer erst dreißig Jahre später...“

Wir alle reagieren ja in uns bekannten und antrainierten Mustern, wir können nicht so einfach den Schalter umlegen. Wir lieben (oder brauchen???) ja auch unsere Mauern. Da weiß man doch wenigstens, was man hat, wo man anstößt. Auch, wo man sich anlehnen kann. Was einen gefangen hält? Was ist, wenn die fehlen? Das macht Angst. Oder Schmerz. Und wie soll man das aushalten? Und gerade als ich über diesen Satz nachdachte, fand ich in einem Buch („5 Dinge, die Sterbende bereuen“) das Bild dazu: ich schwimme in einem Fluß und stoße immer an einem Felsen an. Immer und immer wieder hält mich dieser Felsen auf. Bis ich irgendwann auf die Idee komme, den Fels zu umschwimmen. Eine andere Strecke wähle. Und schon sieht die Welt anders aus, schon habe ich eine Veränderung....

Das hat mit Loslassen von alten Mustern zu tun. Loslassen ist nicht dasselbe wie Aufgeben, ganz im Gegenteil. Loslassen erfordert eine gehörige Portion Mut. Oft gelingt es uns nur, wenn es zu schmerzhaft wird, um irgendein bestimmtes Ergebnis zu kämpfen (auch aus dem genannten Buch).

Vielleicht springen mich solche Themen an, weil ich mich in meiner Arbeit im Elternhaus ja auch immer wieder mit Sterben und Tod gedanklich auseinandersetzen muss. Oder darf? Ich lerne so viel von den betroffenen Eltern. Von ihrer Art, mit dem Tod oder der Sterbebegleitung ihres Kindes umzugehen. Ich bin erstaunt, wie viel Kraft vielen Eltern zuwächst. Ich hab große Hochachtung und absoluten Respekt vor Vätern und Müttern, die sich von ihrem Kind verabschieden müssen. Und ich bin immer wieder erstaunt über die große Reife von Eltern, die im Alter meiner Kinder sind: wie sie ihre Verantwortung annehmen, mit großer Ernsthaftigkeit und Liebe, wie weitsichtig sie sind.

Osho sagt, Krisenzeiten seien wertvolle Zeiten. Kritische Augenbllicke seien einerseits die Todesmomente der Vergangenheit, von überholten Werten. Andererseits die Geburtsstunden des Neuen.

Ich fürchte, wenn man „mittendrin“ steht im Chaos, dann will man solche Sätze und Weisheiten nicht hören und kann sie wahrscheinlich auch schlecht annehmen.
So klar sehen kann man es auch nicht. Irgendwann später vielleicht.