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Oktober 2012

Ausreden entlarven - ich hab keine Zeit/ich würde andere enttäuschen/so bin ich eben/das kann ich nicht...

Eben bin ich aufgestanden, zum zweiten Mal. Das erste Mal hatte ich mir nur einen Tee gemacht, um wieder ins Bett zu gehen und ein Buch zu Ende zu lesen. Ein Kinderbuch. Sehr anrührend und auch für Erwachsene, oder gerade für Erwachsene wichtig. („Wie man unsterblich wird“). Zwei krebskranke Jungs machen Listen von Dingen, die sie unbedingt noch erleben wollen. Und manches gelingt auch….
Dazu passt die Zeitschrift, die mir eine Mitbewohnerin hier im Haus ausgeliehen hat. Ein Artikel darin heißt „Ausreden entlarven“.
Was hält uns davon ab, glücklich zu sein, unser Leben zu leben. Welche festgefahrenen Gedanken lähmen und hindern uns?

Und natürlich fallen mir ANDERE Menschen ein, die nicht ihr wahres Potenzial leben. Die sich Wünsche oder gar Träume nicht erfüllen. Die sich hinter „guten Argumenten“ verschanzen und das Leben an sich vorbeiziehen lassen. Es ist IMMER einfacher, nicht bei sich selbst nachzusehen.

Was hindert MICH denn daran, nicht endlich wieder mal einen Englischkurs zu besuchen? Wir haben momentan viele englische Eltern im Elternhaus, und ich ärgere mich über mein miserables Englisch, über die ständige Suche nach den Worten… Es ist die Bequemlichkeit! Geht ja auch so. Nicht gut, aber es geht…
Was hindert mich daran, abends nach der Arbeit eine Runde zu gehen? Das kann nur Faulheit sein!

Ein Absatz in dieser besagten Zeitschrift gefällt mir besonders gut: „eine der wichtigsten Ausreden, um nicht das zu tun, was man wirklich will, ist die Angst, Familie oder Freunde zu enttäuschen oder einen Konflikt heraufzubeschwören. Wir wollen Eltern, Partner, uns nahestehende Menschen nicht verletzen.“ Der Schreiber des Artikels meint, dass unsere Mitmenschen vielleicht ein bisschen Zeit benötigen, um sich an unsere Entscheidungen und Ideen zu gewöhnen. Letztendlich würden sie unsere Entscheidungen aber wohl respektieren, wenn sie dann erleben, wie gut es uns damit geht. Und wenn nicht? Dann sollte ich mich fragen, ob es wirklich meine Aufgabe ist, das Leben anderer Menschen zu führen.

Warum mir gerade dieser Absatz gut gefällt? Natürlich wieder wegen Punkt a): weil ich bei „Anderen“ sehe, dass sie sich ihren Mitmenschen zuliebe zurücknehmen. Und besonders wegen Punkt b): weil ich selbst vor etwas mehr als einem Jahr eine Entscheidung getroffen habe. Mein Leben zu ändern, etwas zu tun, was MIR gut tut, was MIR wichtig ist, und dabei ganz sicher das Leben meiner Mitmenschen etwas durcheinander gewirbelt habe. Sie verletzt habe. Ihnen Unannehmlichkeiten beschert habe. Sie verlassen habe. Kein schöner Zug, nicht das, was „man“ von Freunden erwartet. Ich hatte auch lang ein schlechtes Gewissen, manchmal hab ichs immer noch. – Meine Entscheidung war FÜR MICH richtig.