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Glück – Zufriedenheit – zulassen – loslassen – annehmen – akzeptieren……

Themen wie Zufriedenheit und Glück lassen mich momentan nicht so recht los. Vielleicht gehören auch Themen wie Zulassen, Loslassen, Annehmen, Genügsamkeit, Akzeptanz dazu. Vielleicht auch Demut?

Es gibt viele Bereiche in meinem Leben, die mich zum Nachdenken veranlassen. Nicht immerwährendes, ernsthaftes Nachdenken. Aber doch immer mal wieder.

In meiner Arbeit zum Beispiel erlebe ich täglich Eltern und Kinder. Kinder, die oft monatelang und länger um ihr Leben kämpfen. Eltern, die zusehen und aushalten müssen, wie ihr Kind sich quält und leidet. Eltern, die sagen „ich kann dabei sein, aber all die Schmerzen muss mein Kind ganz allein aushalten“. Eltern, denen klar ist, dass sie ihrem Kind eine seelische Stütze sein können, aber dass das Kind auch den seelischen Druck aushalten muss.

Die Spanne ist riesengroß: von Augenblicken froher Zuversicht oder sogar Erleichterung zu niederschmetternden Nachrichten aus der Klinik. Freude und Leid, Leben und Tod liegen sehr nah zusammen.

Ich erlebe, wie diese Menschen miteinander umgehen in einem „Zuhause auf Zeit“, wo sie versuchen, ein bisschen Normalität zu leben. Wo Gefühle so offen liegen und jedem anderen, der anwesend ist, selbst bekannt sind. Wo es um die elementarsten Dinge geht.
Wo ich genau so erlebe, dass Mütter seit mehr als einem Jahr mit ihrem Kind in der Klinik sind, keinen oder wenig Kontakt zu ihren Familien und den Geschwistern des kranken Kindes haben, weil die räumliche Entfernung viel zu groß ist. Frauen, die seit der Krankheit des Kindes selbst keinerlei Körperkontakt mehr haben – und die trotzdem nicht die zwei oder drei Stunden Zeit aufwenden wollen für eine Massage, weil sie das Kind nicht so lange allein lassen wollen.

Diese Situationen mit zu erleben – und tatsächlich trotzdem nur aus einer gewissen Distanz – macht mich dankbar und auch demütig. Viele der Eltern sind genau im gleichen Alter wie meine eigenen Kinder, viele der Kinder könnten meine Enkelkinder sein.
Wie dankbar macht es mich, wenn ich dann mein Enkelkind erlebe, das fröhlich und vergnügt herumtollen kann. Das gesund ist.
Und da geschieht es schon ab und zu, dass ich mit den Tränen kämpfe, wenn ich die Kleine zum Mittagsschlaf im Kinderwagen durch den Wald schiebe. Solche Gefühle hatte ich früher nicht, so einen „Einbruch“ von Dankbarkeit habe ich früher nie gefühlt.

Mein Leben ist reich und angenehm. Ich lebe in einer wunderschönen Landschaft und habe die Zeit und Muse, das zu genießen. Mit den meisten Menschen, die ich in meinem Umfeld kenne, verbindet mich ehrliche Freundschaft. Ich spüre nicht nur Liebe und Vertrauen von meinem Enkelkind, sondern auch von Menschen, die mir sehr wichtig sind.
Und diese Liebe und das Vertrauen sind nicht einseitig – es geschieht im Austausch. In jungen Jahren hätte ich das nicht begriffen, wohl auch nicht leben können.
Und deshalb Dankbarkeit und auch Demut.
So, wie es ist, ist es gut.

Juni 2012